Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Der 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution ist für das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. Anlass gewesen, mit ca. 200 SchülerInnen verschiedener Schulen exemplarische "Tiefenbohrungen" zur Entstehung und Entwicklung der Friedlichen Revolution in Leipzig und Sachsen im Jahr 1989 vorzunehmen. Diese historische Spurensuche verband forschend-entdeckendes Lernen im Archiv mit der Förderung der Medienkompetenz der beteiligten Jugendlichen.

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Inhaltlich ging es um sieben Meilensteine, Aktionen und Ideen, die über das Jahr 1989 in Leipzig und Sachsen immer stärker in die Bevölkerung ausstrahlten. Etwa: der Pleißepilgerweg im Juni 1989 gegen die fatale Umweltzerstörung oder die Aufdeckung der Wahlfälschung im Mai 1989, welche für das zivilgesellschaftliche Engagement weniger zumeist junger Leute stehen.

Verteilt über das Jahr 2019 erforschte eine Klasse zu jeweils einem "Meilenstein" Flugblätter, Erinnerungsberichte, Zeitungsartikel und sprach mit Zeitzeugen. Ihre Erkenntnisse verarbeiteten die Schüler in Quizfragen, Texten, Comics oder kurzen Animationsfilmen mit Hilfe der App „Actionbound“ zu einer multimedialen Stadtrallye für mobile Endgeräte. Ihre Arbeit stellten sie am 7. November 2019 öffentlich vor und berichteten über den Entstehungsprozess. Die musikalische Begleitung übernahm Stephan Krawczyk.

Die interaktive Stadtrallye kann seit Ende 2019 durch interessierte Klassen in Leipzig genutzt werden.

 

Am 15. Oktober 2019 organisierte das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „… und dann nahmen wir wieder am Leben teil.“ - Zur Geschichte und Zukunft der Verfolgtenverbände in der kommunistischen Diktatur SBZ/DDR. collage
Auf dem Podium saßen (v.l.): Jörg Siegmund M.A. (Akademie für politische Bildung Tutzing), Lutz Rathenow (Sächsischer Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur), Reinhard Bohse (Moderation), Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig (Universität Passau) und Hugo Diederich (Bundesgeschäftsführer der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, VOS)

Nach einem Impulsvortrag von Jörg Siegmund wurde über die Zukunft der Opferverbände diskutiert. Im Mittelpunkt standen mögliche neue Wege, Angebote und Strukturen, um dem drohenden „Aussterben“ entgegen zu wirken sowie deren Mitglieder besser in der Öffentlichkeit wahrnehmbar werden zu lassen. Zugleich wurde der gängige Begriff des Opfers hinterfragt und angeregt, statt dessen stärker den Mut zu betonen, sich in einer Diktatur widerständig zu verhalten. Dadurch würde die aktive Rolle der Betroffenen stärker wahrgenommen und eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung entgegengebracht.

 

Vom 16. bis 20. September 2019 fand in Leipzig das 8. Sächsische Geschichtscamp statt. Daran nahmen 60 Schüler der Klassenstufen 9 bis 13 aus Sachsen und Baden-Württemberg und ausgewählte Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. veranstaltete am 18. und 19. September für sechs Schüler den Workshop „Untergrundschriften, Piratensender, Flugblätter - Gegenöffentlichkeit in der DDR“. In diesem hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit Originalfotos und -dokumenten auseinander zu setzen und ein Zeitzeugengespräch mit Karim Saab zu führen, der in den 1980er Jahren den Samisdat „Anschlag“ veröffentlichte. Aufbauend auf die Informationen vom Mittwoch haben sich die Schüler am Donnerstag mit Piratensendern beschäftigt und so neben Samisdat und Flugblatt eine weitere Art kennengelernt, mit der die Opposition in der DDR an die Öffentlichkeit trat.

Den Abschluss des Workshops bildete die Herstellung eines eigenen Flugblattes mit Schreibmaschine und Stempelkasten sowie eines Plakates mit Pinsel, Stift und Farbe. Dadurch wurde für die Teilnehmer erlebbar, wie schwierig und vor allem zeitintensiv die Herstellung von illegalen Druckerzeugnissen in der DDR war.

Im Rahmen des diesjährigen Lichtfestes zum 30. Jubiläum der Friedlichen Revolution beteiligte sich das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. in Kooperation mit dem Polnischen Institut Leipzig und dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig an der Gestaltung des Lichtraums Nr. 6, der im Schillerpark unter dem Motto "Für ein offenes Land mit freien Menschen" stand.

Lichtfest2019

Der von der Wiener Lichtdesignerin Victoria Coeln gestaltete Lichtraum wurde durch die Projektpartner inhaltlich aufgewertet, indem ein Kurzprogramm mit Texten und Zitaten zur Freiheit durch die Poetryslammer Josephine von Blueten Staub und Rainer Holl dargeboten wurde. Bernd Karwen und Victoria Coeln führten dialogisch durch das Kurzprogramm, welches mit einem Auftritt von Stephan Krawczyk abgeschlossen wurde. Dieser führte den Song „Mauern“ von Jacek Kaczmarski in einer eigenen Interpretation und Nachdichtung erstmals auf. Vor dem Kurzprogramm verteilten mehrere Vereinsmitglieder Aufkleber mit Freiheitszitaten u.a. aus Polen, der ČSSR und der DDR an die Besucher. An das Kurzprogramm schloss sich die Performance einer Theatergruppe zu Schwulen- und Lesben in der DDR bzw. der Bundesrepublik an.

Demonstration in der Leipziger Innenstadt am 15. Januar 1989Im Rahmen des geschichtsdidaktischen Seminars „Quellen zur Jugendgeschichte und ihr Einsatz im Unterricht" an der Universität Leipzig werden Lehramtsstudierenden die Quellen des Archiv Bürgerbewegung zur oppositionellen Jugend in der DDR vorgestellt. Nach einem Überblick zu den Beständen des ABL wird der Spiegel-Autor Peter Wensierski über seine Vorgehensweise bei der Recherche für sein Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution. Wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion in der DDR wagte“ berichten.

Anlass der Veranstaltung ist der 30. Jahrestag der Leipziger Demonstration am Luxemburg-Liebknecht-Gedenktag 1989, bei der ca. 800 Menschen auf die Straße gingen. Dabei forderten sie Grundrechte wie Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit ein.  Im Vorfeld waren ca. 5.000 Flugblätter heimlich gedruckt und in Leipziger Briefkästen verteilt worden. Die Staatssicherheit verhaftete umgehend zwölf der Initiatoren und leitete Ermittlungsverfahren ein. Die Demonstration in der Leipziger Innenstadt konnte jedoch nicht verhindert werden und markierte eine neue Qualität widerständigen Verhaltens in Leipzig.

 

Am 30. Mai 1968 wurde gegen den Protest vieler Leipziger, verschiedener Institutionen sowie Personen aus dem In- und Ausland die Leipziger Universitätskirche St. Pauli gesprengt. Anlässlich des 50. Jahrestages dieses Ereignisses zeigt das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. vom 26. Mai bis zum 4. Juni 2018 im Foyer des Augusteums der Universität Leipzig die aktualisierte Ausstellung:

„Die ganze action hat geprägt“
Die Sprengung der Universitätskirche in Leipzig 1968 - Erinnerungen von Zeitzeugen


Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten des Augusteums besichtigt werden:
Montag bis Freitag: 6.00 bis 22.00 Uhr
Samstag: 6.00 bis 15.00 Uhr

Zwei kostenlose öffentliche Führungen durch den Kurator Achim Beier vom Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. finden am Di, 29.05. und am Do, 31.05 jeweils um 17 Uhr statt.

Zur Ausstellung

am 6. Juni 2018, 19 Uhr in der Kinobar Prager Frühling (Bernhard-Göring-Str. 152, 04277 Leipzig)

Premiere des Kurzfilmes "Anzahl der Freiheitsgrade" (Deutschland 2018, 20 min) mit anschließendem Podiumsgespräch.

Katrin Büchel, Filmkünstlerin aus Berlin, musste in ihrer Jugend mehrere Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe, u.a. den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau, durchlaufen. In ihrem Kurzfilm mit 3D-Animation verfremdet sie künstlerisch diese traumatischen Erfahrungen von Eingesperrtsein, Willkür und Zwang. Im Anschluss spricht sie als Zeitzeugin über ihre persönlichen Erfahrungen in DDR-Heimen, ihren ungebrochenen Freiheitsdrang und den Versuch, sich auch mit Hilfe der Kunst von der Opferrolle zu befreien. Ingolf Notzke von der Gedenkstätte GJWH Torgau rundet als Experte für allgemeine Fragen zum DDR-Heimerziehungssystem das Podium ab.

Moderation: Juliane Thieme, Archiv Bürgerbewegung Leipzig

Eintritt frei

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof (GJWH) Torgau und der Kinobar Prager Frühling.

Die Archivleiterin mit zwei Besuchern zum Tag der ArchiveAm 3. März 2018 fand der 9. Tag der Archive zum Thema "Demokratie und Bürgerrechte" auch im Archiv Bürgerbewegung Leipzig statt. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, Einblick in die Archivräume zu nehmen. Zu sehen gab es viele einmalige Dokumente aus der Zeit des Ringens um Demokratie und Bürgerrechte aus dem Leipziger Herbst 1989 und Fotos aus dem Archivbestand (Abb. links, Archivbesucher sehen sich digitalisierte Fotos der Leipziger Montagsdemonstrationen an).

 

Demokratie und Bürgerrechte am Tag der Archive Genutzt wurde daneben auch die einmalige Möglichkeit die Wanderausstellung des Archives "die ganze action hat geprägt" zur Sprengung der Leipziger  Universitätskirche vor 50 Jahren zu besichtigen. An Hand eines historischen Einzelfalles wird von den Erfahrungen einer Generation erzählt, deren Ideale und Lebenslust mit dem Machtanspruch der SED kollidierten. Das Interesse war groß und beide Ausstellungsführungen mit dem Kurator waren gut besucht. (Abb. rechts)

 

Begleitveranstaltung zur Plakatausstellung „'Verordnete Solidarität'. Der Umgang mit 'Fremden' in der DDR“

Unveröffentlichtes Filmmaterial zu rechter Subkultur in der DDR und Nachwendezeit wird am 9. März 2017 um 19 Uhr in der BStU-Außenstelle Leipzig (Dittrichring 24, 04109 Leipzig) gezeigt.

 
Filmausschnitte + Gespräch mit Peter Wensierski
Moderation: Andreas Peter Pausch (Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.)
 
Peter Wensierski, ehemaliger DDR-Korrespondent und Redakteur des ARD Magazins Kontraste, gilt als kritischer Beobachter der DDR-Gesellschaft. Er zeigt bisher unveröffentlichtes Filmmaterial über ostdeutsche Neonazis, Hooligans und rechtsextreme Jugendliche aus den Jahren 1988 bis 1992.
Trotz eines ab 1985 verhängten Einreiseverbots gelang es Wensierski mit geschmuggelten Kameras seltene Filmaufnahmen mit Skinheads und jungen Neonazis von Oppositionellen in Ost-Berlin anfertigen zu lassen. Die Aufnahmen zeigen ideologisch gefestigte junge Männer, deren Gruppierung – entgegen der offiziellen Deutung – nicht vom Westen gesteuert wurde. Weitere Filme zeigen Ausschnitte aus dem Alltag rechter Subkultur nach dem Fall der Mauer - darunter sind Interviews mit rechten Jugendlichen sowie Aufnahmen von Auseinandersetzungen zwischen Hooligans und Polizei in Leipzig. Den Abschluss der Vorführung bildet eine dokumentarische Filmbeobachtung auf dem Berliner Alexanderplatz nach dem 3. Oktober 1990.
 

Der Eintritt ist frei.
Eine Veranstaltung des Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. in Kooperation mit der BStU-Außenstelle Leipzig.

Am Mittwoch, den 19. Oktober 2016, war um 19.00 Uhr in der Kinobar Prager Frühling (Bernhard-Göring-Straße 152 in 04277 Leipzig) der Dokumentarfilm »Kopf - Herz - Tisch. Kindheit ohne Eltern« zu sehen.

Nach dem 70-minütigen Film fand ein Podiumsgespräch mit der Autorin Sonja Toepfer und dem Zeitzeugen Wolfgang Focke statt, welches Ingolf Notzke, wissenschaftlicher Referent der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau moderiert hat.

Im Mittelpunkt des Films von Sonja Toepfer stehen die Folgen repressiver Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren der Bundesrepublik. Mit einem roten Tisch und zwei Klappstühlen hat die Autorin Frauen und Männer aufgesucht und sie eingeladen, über ihre Kindheit ohne Eltern, in Säuglings-, Kinder- und Erziehungsheimen, bei gewalttätigen Pflegefamilien sowie in einer Welt, in der liebevolle Mütter und Väter abwesend waren, zu sprechen. Entstanden ist eine Interviewdokumentation mit experimenteller Dramaturgie, die besonders berührt und die Tonalität biografischer Bewältigungsstrategien sichtbar werden lässt.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und der Kinobar Prager Frühling statt und wurde unterstützt durch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten.


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