Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Demonstration in der Leipziger Innenstadt am 15. Januar 1989Im Rahmen des geschichtsdidaktischen Seminars „Quellen zur Jugendgeschichte und ihr Einsatz im Unterricht" an der Universität Leipzig werden Lehramtsstudierenden die Quellen des Archiv Bürgerbewegung zur oppositionellen Jugend in der DDR vorgestellt. Nach einem Überblick zu den Beständen des ABL wird der Spiegel-Autor Peter Wensierski über seine Vorgehensweise bei der Recherche für sein Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution. Wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion in der DDR wagte“ berichten.

Anlass der Veranstaltung ist der 30. Jahrestag der Leipziger Demonstration am Luxemburg-Liebknecht-Gedenktag 1989, bei der ca. 800 Menschen auf die Straße gingen. Dabei forderten sie Grundrechte wie Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit ein.  Im Vorfeld waren ca. 5.000 Flugblätter heimlich gedruckt und in Leipziger Briefkästen verteilt worden. Die Staatssicherheit verhaftete umgehend zwölf der Initiatoren und leitete Ermittlungsverfahren ein. Die Demonstration in der Leipziger Innenstadt konnte jedoch nicht verhindert werden und markierte eine neue Qualität widerständigen Verhaltens in Leipzig.

 

der Archivpublikation "Fenster zur Freiheit. Die radix-blätter. Untergrundverlag und -druckerei der DDR-Opposition" fand am 22. März 2019 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig statt.

Mehr als hunderttausend hektografierte Seiten, die in der ganzen DDR verbreitet wurden, ohne dass der Geheimdienst es verhindern konnte. 136 Autoren packten – nicht anonym, sondern unter ihrem Namen - in den radix-blättern Themen an, die in der DDR sonst nicht öffentlich diskutiert werden konnten, Themen, die heute immer noch aktuell sind: Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, alte und neue Nazis, das Verhältnis der Deutschen zu Osteuropa, die Mauern im Kopf, die Strukturen von Macht, Herrschaft und Gewalt - und der Wert von Demokratie. In einer versteckten Kammer hinter dem Schlafzimmer der Eltern standen verbotene Druckmaschinen, arbeiteten illegal angestellte Drucker acht bis zehn Stunden am Tag.

Wie war das möglich? Stephan Bickhardt und Ludwig Mehlhorn betrieben von 1985 bis 1990 den wohl einzigen unabhängigen, illegalen Verlag in der DDR. Ihre Zeitschrift „radix-blätter“ war ein Debattenforum der Opposition. Diese spannende Geschichte beschreibt das neue Buch von Peter Wensierski:  „Die radix-blätter. Untergrundverlag und -druckerei der DDR-Opposition", herausgegeben vom Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. 

 

Ab dem 5. Mai haben wir Dienstag und Mittwoch von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Aufgrund der aktuellen Situation ist eine telefonische Anmeldung jedoch dringend erforderlich.

Die bekannte Torgauer Fotografin Erdmute Bräunlich ist verstorben – Das Archiv Bürgerbewegung e.V. trauert

 Übergabe des Fotobestand Bräunlich an das ArchivAm 29. Mai 2020 erreichte das ABL die traurige Nachricht vom Tod der Fotografin Erdmute Bräunlich. Im April 2019 wurden von ihr und ihren Kindern mehr als 3000 Fotografien aus dem „Fotoarchiv Bräunlich“ an das ABL übergeben. Sie werden derzeit erschlossen und damit für die Nutzung zur Verfügung gestellt. Die ersten Fotos können bereits in unserer Onlinedatenbank unter https://www.archiv-buergerbewegung.de/archiv/recherche recherchiert werden.

Erdmute Bräunlich (Bildmitte) und Manfred Bräunlich waren bedeutende Chronisten Torgauer Geschichte. Erdmute Bräunlich war ab 1958 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fotografie Torgau im Kulturbund der DDR, Manfred Bräunlich ab 1959 Leiter dieser Arbeitsgemeinschaft. Beide wurden im Jahr 1964 Fotokorrespondenten der LVZ. Ab 1978 waren sie als freischaffende Bildjournalisten für diverse Zeitungen und Verlage der Region tätig, so auch für das Neue Torgauer Kreisblatt nach dessen Gründung 1990. 1998 erhielt Erdmute Bräunlich anlässlich des 1025. Jahrestages der Ersterwähnung der Stadt Torgau die Ehrenmedaille in Gold für ihr fotografisches Werk. 1999 wurden beide mit dem Heimatpreis in der Kategorie Kultur geehrt.

Aus der gemeinsamen jahrzehntelangen fotojournalistischen Arbeit entstand ein Bildarchiv von immensem Ausmaß, welches u.a. die Industriegeschichte, das städtebauliche Geschehen, das Wachsen und stetige Sich-Verändern sowie den Alltag in der Heimatstadt des Fotografenehepaares dokumentiert. Erdmute Bräunlich hat gemeinsam mit ihren Kindern dieses fotografische Erbe in eine Stiftung eingebracht, um das „Fotoarchiv Bräunlich“ auch langfristig für die Forschung und Nutzung zur Verfügung zu stellen. Ein Teil der Fotografien wurden im vergangen Jahr vom Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. übernommen.

Wir sind Erdmute Bräunlich und ihren Kindern zu großem Dank verpflichtet für die Überlassung der Fotografien, die u.a. die Friedliche Revolution und Transformation in Torgau belegen. Mit der Erschließung dieses einmaligen „Bilderschatzes“ möchten wir dazu beitragen, die Erinnerung an das bedeutende Torgauer Fotografenehepaar lebendig zu halten.

Seit dem 4. September 2019 kann erstmals nach Fotos der Demonstration auf dem Leipziger Nikolaikirchhof vor 30 Jahren online unter www.opposition-archive-sachsen.de recherchiert werden. 

Am 4. September 1989 fand nach der Sommerpause das erste Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche mit etwa 1000 Teilnehmern statt. Im Anschluss kam es zu einer Demonstration auf dem Leipziger Nikolaikirchhof. Bürgerrechtler entrollten Transparente, die innerhalb weniger Minuten von Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit heruntergerissen wurden.

Die dabei entstandenen Fotos von Armin Wiech, einem westdeutschen Pressefotografen, sowie den Leipziger Bürgerrechtlern Christoph Motzer und Rainer Kühn sind in der Datenbank verzeichnet. Diese ist ein Gemeinschaftsprojekt des Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V., des Martin-Luther-King-Zentrum für Gewaltfreiheit und Zivilcourage e.V. in Werdau und der Umweltbibliothek Großhennersdorf e.V..

Die 3 Archive haben gemeinsam im Juli 2018 den Arbeitskreis der Archive zu Widerstand und Opposition in Sachsen konstituiert, um ihre Zusammenarbeit weiter auszubauen und die vorhandenen historischen Quellen, Bildungsangebote, Ausstellungen etc. leichter zugänglich zu machen. Ein erster Schritt war eine gemeinsame Homepage (www.opposition-archive-sachsen.de), auf der ab sofort auch die gemeinsame Online-Datenbank bereitgestellt wird.

Neben den Fotografien werden auch Dokumente und Objekte aus den Beständen der Archive in die Datenbank eingepflegt. In einem ersten Schritt können ab sofort mehr als 1100 Datensätze online eingesehen werden. Ziel ist es, nach und nach die Bestände der Archive des Arbeitskreises zu Opposition und Widerstand in Sachsen für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Am Ende dieses langen Weges werden mehr als 35.000 Datensätze für die Recherche bereitstehen. Bis dahin lohnt sich neben der Onlinerecherche auch der direkte Kontakt zu den 3 Archiven, um zu klären, ob relevante Fotos, Dokumente, Objekte, Film- und Audioüberlieferungen, Pressedokumentationen oder sonstige Sammlungen für Ihre Forschungsvorhaben verfügbar sind.

Historischer Kern - Entwicklung - Legendenbildung

Bis Oktober 2020 entsteht eine neue Internetpräsention, die der Mythenbildung um die Leipziger Ereignisse nachgehen will. In einem ersten, jetzt veröffentlichten Schritt geht die Darstellung dem historischen Kern des Mythos‘ nach. Die Leipziger Montagsdemonstrationen waren untrennbar mit den seit 1982 stattfindenden Friedensgebeten in der Nikolaikirche verbunden. Die Darstellung schlägt den Bogen von den historischen Hintergründen und den Rahmenbedingungen über die ersten Friedensgebete, die Konflikte mit der Amtskirche, die Wir-wollen-raus-Bewegung bis zu verschiedenen Protestformen, die sich aus den montäglichen Treffen ergeben hatten. Die handgreifliche Auseinandersetzung mit der Staatsmacht gehörte demnach weit vor dem Herbst 1989 zum wöchentlichen Alltag. Den Abschluss dieses Abschnittes bildet das dramatische Geschehen im Herbst 1989 bis zur Entscheidung am 9. Oktober. 

www.mythos-montagsdemonstrationen.de

geben Sie diese ins Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. (ABL) - lautet der Titel der neuesten Publikation des Archivs.

Auf 20 Seiten erfährt man, was im ABL alltäglich ist - das Einwerben und der Abschluss von Schenkungsvereinbarungen und Überlassungsverträgen, die Abholung der Materialen, deren Sichtung und Bewertung, die Bestandssicherung, der Schutz des nationalen Archivgutes, die archivarische Erschließung und Lagerung sowie letztlich auch die Nutzung v.a. durch Schüler, Studenten und Wissenschaftler.

Sie wollen wissen, wie im ABL mit Archivgut umgegangen wird, dann schauen Sie sich doch diese Broschüre hier einfach einmal an.

Seit Vereinsgründung sammelt das Archiv die hinterlassenen Selbstzeugnisse der DDR-Opposition, der Bürgerbewegung und der in den Jahren 1989/90 entstandenen Initiativen und Parteien, um diese zu sichern, dauerhaft aufzubewahren, zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Archiv hat bereits mehrere tausend Aktentitel archiviert und erschlossen, mit denen die erste Artikulierung des politischen Protestes, Ursachen und Verlauf der Friedlichen Revolution und das Entstehen demokratischer Strukturen umfassend belegt werden. Mit der Sammlung des entsprechenden Schrift-, Bild- und Tongutes strebt das Archiv die Bildung möglichst vollständiger Überlieferungen zu Einzelpersonen und Gruppen der DDR-Opposition, zu Bürgerbewegungen und zu den im Herbst 1989 neu entstandenen Parteien und Initiativen an. Der Archivbestand umfasst zurzeit ca. 220 lfm Archivgut. Weiterhin verfügt das Archiv über größere Bestände an Samisdatschriften, Zeitungen und Zeitschriften, Zeitungsausschnitten sowie Video- und Tonkassetten und über 2.500 Bücher und Schriften von Aufarbeitungsinitiativen. Die Fotosammlung ist in den letzten Jahren auf ca. 15.000 Fotos angewachsen.

Am 10. November 2018 findet in Leipzig der 3. Deutsch-Bulgarische Geschichtstag von 12.00 bis 17.30 Uhr statt. Veranstaltungsort ist die Leipziger Außenstelle der BStU (Dittrichring 24 in 04109 Leipzig).

Auf diesem Geschichtstag wird über den aktuellen Stand der deutsch-bulgarischen Geschichtsaufarbeitung informiert. Schwerpunkte der Tagung sind die Fluchten über den Eisernen Vorhang in Bulgarien und deutsch-bulgarische Projekte. Außerdem tritt der bulgarische Musiker Vasko Krypkata auf. Nähere Informationen zur Veranstaltung entnehmen Sie bitte dem Flyer.

des Arbeitskreises „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ vom 3. bis 8. Oktober 2018

Das Areal der früheren Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Leipzig zwischen Dittrichring und Matthäikirchhof soll zu einem „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ weiterentwickelt werden. Während der Friedlichen Revolution führten die Montagsdemonstrationen seit dem 2. Oktober 1989 an dem Gebäudekomplex vorbei, der am 4. Dezember 1989 friedlich besetzt wurde. Als „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ wollen sich an diesem Ort neben bereits ansässigen Einrichtungen weitere Institutionen zusammenfinden und arbeiten. So wird aus dem einst einschüchternden Ort der Diktatur ein Zentrum lebendiger Demokratie und des Austausches von Generationen zu Zeitgeschichte, Gegenwart und Zukunft.

Beim „Herbstkino am Matthäikirchhof“ werden vom 3. bis 8. Oktober 2018 täglich um 19.00 Uhr Filme gezeigt, die sich mit der SED-Diktatur in der DDR, der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit sowie dem nachfolgenden Transformationsprozess befassen. Bei schlechtem Wetter finden die Veranstaltungen im ehemaligen Stasi-Kinosaal (Eingang Goerdelerring 20) statt. Nähere Informationen zu den Filmen finden Sie hier.

3. Oktober 2018 - 19.00 Uhr - "Zug in die Freiheit"

4. Oktober 2018 - 19.00 Uhr - "Es ist nicht vorbei"

5. Oktober 2018 - 19.00 Uhr - "Raus aus der Haut"

6. Oktober 2018 - 19.00 Uhr - "Die Familie"

7. Oktober 2018 - 19.00 Uhr - "Erich Mielke - Meister der Angst"

8. Oktober 2018 - 19.00 Uhr - "Winter adé"

 

Im Arbeitskreis „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ arbeiten mit: Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V., Bürgerkomitee Leipzig e.V. - Träger der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR - Außenstelle Leipzig, Schulmuseum - Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig, Stiftung Friedliche Revolution.

Als Kooperationspartner eines spannenden Projektes möchten wir folgenden Aufruf öffentlich machen:

100 Jahre Frauenwahlrecht: „Gebt uns Eure Stimme!“ Leipzigerinnen für Interviews gesucht - Die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V. sucht Leipzigerinnen im Alter von 16 bis 100+, die sich zum Thema Wahlen/Wahlrecht interviewen lassen möchten. Die Interviews werden ab Juli bis Dezember 2018 mit einem Podcast und bei Radio Blau öffentlich gemacht.

Was heißt eigentlich ‚demokratisch wählen‘? Vor 100 Jahren wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Zuvor waren Frauen faktisch von demokratischer Partizipation und Gleichberechtigung ausgeschlossen. Doch was bedeutet das Wahlrecht für Frauen heute? Diese Frage sollen Leipzigerinnen vor dem Hintergrund ihrer ganz eigenen Erfahrungen beantworten.

Die Zeitzeuginnen-Interviews dauern etwa 15 Minuten und finden im Rahmen des Projektes „Der lange Weg zur Demokratie für alle – 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ statt. Die Interviews werden zusammen mit Hintergrundinformationen bis Ende Dezember 2018 als Podcast beim Leipziger Radio Blau und auf einer Website öffentlich gemacht unter www.hup-le.de/audiothek/

Anmeldung für interessierte Frauen per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 0341-58 15 15 22 bzw. 0163-71 15 777. Hier der Zeitzeuginnen-Aufruf zum Download.

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