Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Rolf Sprink „ Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht, dieses System zu piesacken.“

Die Sprengung der Leipziger Universitätskirche 1968Universitätskirche, Sprengung 1968
Am 30. Mai 1968 um 10 Uhr erfolgte in Leipzig die Sprengung der Universitätskirche St. Pauli. Die Kirche war Teil des Stadtzentrums und lag auf dem Augustusplatz. Seit 1229 war sie als Dominikanerkirche Teil der Stadtgeschichte. Ab 1543 gehörte das Gotteshaus der Universität. Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Gebäuden Leipzigs überstand die Kirche den 2. Weltkrieg nahezu unbeschadet.
Ende der 1950er Jahre entspann sich die Diskussion um eine sozialistische Neugestaltung des Leipziger Stadtzentrums und eine Verlagerung der Universität an die Peripherie. Der Anstoß zur Beseitigung der Universitätskirche kam schließlich von SED-Chef Walter Ulbricht. Ein vorzeitiger „Abbau der Altsubstanz“ scheiterte bis 1968 jedoch an finanziellen und technischen Mitteln.
Im Januar 1968 wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, der eine Neugestaltung des Augustusplatzes ohne Kirche vorsah. Nachdem die Leipziger Stadtverordnetenversammlung am 23. Mai 1968 den Neugestaltungsplänen zugestimmt hatte, war das Schicksal von St. Pauli endgültig besiegelt. Der Abriss gilt bis heute als Akt der „Kulturbarbarei“ und sollte den Machtanspruch der SED demonstrieren.
und wenige Monate später die Niederschlagung des Prager FrühlingsPrager Frühling
Von westlichen Medien geprägter Begriff für die Ereignisse im Frühjahr und Sommer 1968 in der damaligen CSSR (Tschechoslowakei). Der Prager Frühling steht für die Bemühungen der Kommunistischen Partei der CSSR unter Alexander Dubček, ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchzusetzen in dem Versuch einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu schaffen. Als Reaktion auf die Reformbemühungen erfolgte am 21. August 1968 der Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes, welche die Proteste gewaltsam niederschlugen. Daraufhin verließen zehntausende Menschen, zumeist Intellektuelle, die CSSR.
Truppen der Nationalen Volksarmee wurden im Verlauf des Prager Frühlings entlang der tschechoslowakischen Grenze stationiert, griffen jedoch nicht aktiv in die Ereignisse ein.
waren für Rolf Sprink prägende Ereignisse, die den Dissens zum SED-Stadt beförderten. Über die Kirche ergaben sich viele Kontakte mit Gleichgesinnten. Ab 1985 nimmt Rolf Sprink eine „brutale Erosion“ seines Umfeldes durch Ausreise in den Westen wahr. Was ihn hielt, war das „Genießen der Spannung“.
Über das Schreiben von EingabenEingaben waren Beschwerdebriefe von DDR-Bürgern. Sie richteten sich u.a. an die staatliche Verwaltung und die Medien, an staatliche Institutionen und gesellschaftliche Organisationen sowie an Parteigrößen und Kommunalpolitiker. Eingaben waren ein Instrument der Konfliktbewältigung, eine Form der Kommunikation der Bürger mit dem Staat. Sie wurden in der DDR als „unvollkommener Rechtsbehelf“ praktiziert, da weder Verwaltungsgerichtsbarkeit noch individuelles Klagerecht existierten. Eingaben besaßen keinerlei Rechtsanspruch, doch der Adressat musste sich zum Vorfall äußern. Es war ein weitverbreitetes Mittel, den Staat damit in Erklärungsnöte zu bringen. Ihre Zahl stieg im Verlauf der 1980er Jahre deutlich an. Statistisch gesehen hat zwischen 1949 und 1989 fast jeder DDR-Haushalt eine Eingabe verfasst. fand er eine Möglichkeit, das System zu kritisieren und Rechte einzufordern.
Mit der Gründung des Neuen ForumAm 10. September 1989 als Bürgerbewegung gegründet. Das Neue Forum verstand sich als politische Plattform für „demokratischen Dialog“ und rief alle DDR-Bürger auf an der Umgestaltung der Gesellschaft mitzuarbeiten. Die Mobilisierungswirkung war enorm. So wurden u.a. die Montagsdemonstrationen durch das Neue Forum getragen. Von Dezember 1989 bis März 1990 arbeiteten deren Vertreter an den Runden Tischen mit und beteiligten sich aktiv bei der Durchsetzung politischer Forderungen. Ein Teil des Neuen Forums ging 1990 im Bündnis 90 und schließlich in der Partei Bündnis 90/Grüne auf. Ein anderer Teil blieb als Kleinpartei eigenständig erhalten. engagierte er sich sofort. Ab Mitte Oktober war Mitglied der Redaktionsgruppe, die den Forum-Verlag aufbaute.

 

 

Lebenslauf

  • geb. 1950 in Görlitz
  • 1968 Abitur in Bautzen
  • 1968 Studium der Völkerkunde in Leipzig
  • 1974 Lektor im Brockhausverlag
  • bis 1990 Touristverlag
  • Mitte Oktober 1989 Aufbau des Forum-Verlags
  • Heute: Direktor der Leipziger Volkshochschule
 
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